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Fallbeispiele: Zukunftskonferenz Burgwald

10 Gemeinden erarbeiten ihre Zukunft für das 21. Jahrhundert


Unter dem Titel " Region Burgwald - Unsere Zukunft im 21. Jahrhundert - Wir packen's zusammen an" fand in Gemünden/Wohra vom 10. - 12. Juni 99 die erste europäische Zukunftskonferenz einer ganzen Region statt.

 

Genauer gesagt fanden drei Zukunftskonferenzen zeitgleich unter einem Dach statt, um mit etwa 170 Menschen aus allen Lebensbereichen und Altersgruppen der Region Burgwald die gemeinsame Zukunft zu planen. Diese Region, in der sich zehn Gemeinden zusammengeschlossen haben, liegt nördlich von Marburg in einer der schönsten Waldlandschaften Deutschlands.

 

Die Veranstalter der Zukunftskonferenz, die Stadt Gemünden und die Entwicklungsgruppe Region Burgwald, versprachen sich von der Konferenz und der Mitarbeit der 170 Bürgerinnen und Bürger Ziele und Perspektiven für das nächste Jahrhundert und beabsichtigten mit dem inzwischen in Deutschland erprobten Planungsinstrument Zukunftskonferenz soziale, wirtschaftliche und ökologische Anforderungen unter einen Hut zu bringen.

 

Beauftragt wurde Peter Bauer, all-in-one, der mit einem erfahrenen Beraterteam von fünf weiteren Moderatoren und sechs Assistenten, zum Teil ebenfalls erfahrene Moderatoren, anreiste. Unter den Moderatoren waren Dr. Matthias zur Bonsen der die Zukunftskonferenz aus den U.S.A. nach Deutschland brachte, Roland Schoen, der zusammen mit Peter Bauer bereits drei Zukunftskonferenzen in Städten - darunter die erste Konferenz in einer Stadt in Baden-Württemberg – durchführte, Sabine Bredemeyer, die im Juni 1998 die erste deutsche Zukunftskonferenz mit einer ganzen Stadt leitete, Hannah Janssen sowie Christel Krug, die ebenfalls bereits einschlägige Erfahrungen mit der Moderation großer Gruppen mitbrachten.

 

 

Organisation und Ablauf


170 engagierte Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen, von neun bis 77 Jahren, aus allen zehn Gemeinden der Region hatten sich im Vorfeld der Konferenz gemeldet. Es gab dabei verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens, denen sich die Teilnehmer bei Ihrer Anmeldung zuordnen konnten.

 


Pünktlich um 14.00 Uhr begann die Zukunftskonferenz am 10. Juni in der Sport- und Kulturhalle in Gemünden Wohra. Nach den Begrüßungsreden zweier Bürgermeister der Region, die selbstverständlich auch an der Zukunftskonferenz teilnahmen, verteilten sich die Teilnehmer in die drei Konferenzräume, um in den ersten zwei Tagen in drei Großgruppen zu arbeiten. Mal in homogenen Gruppen mit je acht Teilnehmern, die nach den neun Bereichen unterteilt waren, mal in gemischten Gruppen bearbeiteten die Teilnehmer die fünf typischen Aufgaben der Zukunftskonferenz. So untersuchten sie zunächst die Entwicklung der Region in den letzten 40 Jahren, analysierten die wichtigsten erkennbaren Trends, die auf die Region zukommen und fanden in dieser Phase die ersten Lösungsansätze für diese Trends. 

 

 

 

Arbeitsbereiche


Wirtschaft/Land- und Forstwirtschaft
Politik/Verwaltung
Bauen/Siedlungsentwicklung/Energie
Tourismus/Verkehr, Umwelt/Natur
Soziales/Gesundheit/Familie
Aus- und Weiterbildung
Regionale Kommunikation
Kultur/Sport/Vereine
Jugendliche


Am zweiten Tag führte der nächste Schritt die Teilnehmer in das Jahr 2015. In Sketchen und kreativen Inszenierungen präsentierten sie ihr Idealbild der Region, bevor sie innerhalb der drei Gruppen die darin dargestellten gemeinsamen Ziele für die Zukunft identifizierten.

 

Diese wurden für den dritten Konferenztag zusammengetragen und am Morgen dieses letzten Tages wurde zusammen mit allen Teilnehmern der drei Konferenzen über die Ziele abgestimmt.

 

Nur die Ziele, die einstimmig ohne Gegenstimme verabschiedet wurden, kamen auf die Liste der Zukunftsziele. So erarbeiteten die Bürger der Burgwald-Region eine beachtenswerte Liste von 69 Ziele, die mit hundertprozentigem Konsens von allen getragen werden. Die Themen reichen von der Wirtschaftsförderung (z. B. der

Auf- und Ausbau eines Verbundes der holzverarbeitenden Betriebe oder eine Gründerberatung) über deutlich verstärkte Arbeit für und mit Kindern und Jugendlichen (z.B. selbstverwaltete Jugendräume) bis hin zur Förderung des öffentlichen Verkehrs (z.B. Anrufsammeltaxis und Car-Sharing).

 

Einen besonderen Schwerpunkt der Konferenz bildete auch die Schaffung eines übergreifenden Verwaltungsverbundes der in zwei Landkreisen liegenden zehn Gemeinden. Aber auch die 24 Ziele und Ideen, bei denen keine hundertprozentige Übereinstimmung erzielt werden konnte, werden die weitere Entwicklung der Burgwald-Region bestimmen, machten sie doch deutlich, zu welchen Themen von vielen Teilnehmern Veränderung gewünscht und künftig nach Kompromissen und kreativen Lösungen gesucht werden kann. Im Anschluss an diesen zweieinhalbstündigen Konsensprozess bildeten sich elf Arbeitsgruppen, in denen bereits die ersten Maßnahmenpläne zur Realisierung der abgestimmten Ziele erarbeitet wurden. 94 engagierte Bürgerinnen und Bürger trugen sich in die Listen der Arbeitsgruppen ein, um damit ihr Interesse an der weiteren Mitarbeit zu signalisieren.

 

 

Ergebnisse


Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Entwicklungsgruppe, Stefan Schulte (Tel.: 06541/26608), der die Veranstaltung auch als Teilnehmer erlebte, war die Zukunftskonferenz ein voller Erfolg. Im Namen der Veranstalter sagte er den Teilnehmern die Unterstützung sowohl der Entwicklungsgruppe als auch der einzelnen Gemeinden zu. Nach seinen Worten stellt diese Zukunftskonferenz einen wichtigen Schritt der Region in das nächste Jahrtausend dar. Die Ergebnisse werden in das Entwicklungskonzept für die nächste Förderphase bis 2006 integriert. Bei strittigen Themen werden weitere intensive Diskussionen und Fachforen stattfinden. Die neuen Projektgruppen diskutierten noch vor der Sommerpause Leitziele und gingen konkrete Maßnahmen an.

 

 

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