Großgruppen -
Verfahren

Großgruppen-Verfahren

Die Planungsinstrumente des 21. Jahrhunderts

Seit Mitte der 90ger Jahre arbeitet Sabine Bredemeyer mit Großgruppen-Verfahren und gilt als Pionierin in diesem Feld. 1998 leitete sie die erste Zukunftskonferenz mit einer ganzen Stadt in Deutschland. 2003 führte sie die Methode World Café in Deutschland ein. Sie plant und moderiert Großgruppenmethoden und sorgt durch sorgfältige Beratung und Konzeption dafür, dass im Kontext der individuellen Organisationsentwicklung ihrer Kunden die richtige Methode oder der passende Methoden-Mix für Ihren geplanten Entwicklungsschritt eingesetzt wird.

Weitsichtig und mit einem ganzheitlichen Blick geplant, kompetent begleitet und mit einem konsequenten Follow-up sind Großgruppen-Verfahren Instrumente, die der gesunden Entwicklung von menschlichen Gemeinschaften intelligent und effektiv beitragen können. In ihrer Vielfalt, kombiniert mit Methoden, die Bewusstheit, Vertrauen, Achtsamkeit und Wertschätzung fördern, decken sie weitgehend die Bedürfnisse von Organisationen und  Gemeinschaften ab, flexibel mit dem rasanten Wandel in der Außenwelt mitzuhalten.

Jedes Großgruppen-Verfahren wurde auf der Grundlage fundierten Hintergrundwissens und langjähriger Erfahrungen mit Gemeinschaften oder Organisationen entwickelt. Jede einzelne Phase einer Großgruppen-Intervention, jedes dafür empfohlene Prinzip und jede einzelne Planungs- oder Moderationsempfehlung haben ihre spezifische Wirkung in dem jeweiligen Verfahren und zur Erzielung dieser Wirkung ihren wohldurchdachten Grund.

Geschichte der Großgruppen-Verfahren

Die Geschichte der Großgruppen-Verfahren aus meiner Sicht

von Sabine Bredemeyer

Die untesrschiedlichesten Großgruppen-Verfahren wurden in den 80ger und 90ger Jahren zumeist in den USA und England entwickelt.

Aufgrund ihrer beachtenswerten möglichen Erfolge und dem stärker werdenden Bedürfnis, schnellen Wandel in Unternehmen, Organisationen und Städten zu erzeugen, erregten sie besonders in den 90er Jahren in Deutschland großes Aufsehen und fanden schnelle Verbreitung. Ihre Komplexität wurde jedoch unterschätzt. Der Eindruck wurde vermittelt, „jeder“ könne Großgruppen leiten und Ausbildungen zum „Moderator von Großgruppen-Methoden“ wuchsen wie Pilze aus dem Boden. So sollten 2 – 4 Methoden innerhalb von 2 – 3 Tagen erlernt werden und die Teilnehmer wurden mit umfangreichen Mappen ausgestattet, in denen ihnen die Methoden erklärt wurden. Nur die wenigen wirklich guten Ausbildungen ließen die Teilnehmer eine solche Konferenz miterleben. Und so kam es, dass Ende der 90er Jahre immer mehr Zukunftskonferenzen, Open Space Konferenzen und andere Großgruppen durchgeführt wurden.

Nicht immer mit Erfolg! Denn wo sollten die frisch gebackenen Moderatoren die Erfahrung mit großen Gruppen auch herhaben? In den Ausbildungen wurde nicht darauf vorbereitet, wie mit den Ergebnissen umgegangen werden konnte und was passieren würde, wenn die Methoden modifiziert würden. Bewusstheit, Achtsamkeit, Kompetenz und Reife des Moderators waren in den Ausbildungen kein Thema.

 

Erfahrung und kompetenter Umgang machen die Großgruppen-Verfahren erfolgreich

Aus Zeitmangel – weil die Auftraggeber es so wollten – wurden also Konferenzarten gekürzt, die Vor- und Nachbereitung wurde nicht so ernst genommen – „Hauptsache, die Konferenz funktioniert“, die Methoden wurden abgeändert, die Selbstorganisation der Teilnehmer, die in diesen neuen Verfahren Grundvoraussetzung sind, wurde nicht von allen Moderatoren „ertragen“ und so wurde in Prozesse eingegriffen und die Teilnehmer fühlten sich gelenkt und manipuliert. Das Follow-up wurde oft vernachlässigt und so hinterließen diese Großgruppen-Interventionen bei den Teilnehmern und Auftraggebern nicht selten den Eindruck, dass die Methode nicht funktioniert habe.

Heute treffe ich immer wieder auf Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen, die mich begrüßen mit den Worten „Sie können ja alles mit uns machen, aber bloß keine Open Space Konferenz, World Café oder Zukunftskonferenz …“ Schade! Denn diese Verfahren sind nach wie vor kraftvolle Transformations-Tools, die für die Zukunftsgestaltung und eine nachhaltige, gesunde Organisationsentwicklung bestens geeignet sind. Und es waren sicher nicht die Methoden, die in diesen Unternehmen versagt haben. Ebenso wenig wie man sagen könnte, dass die Herzmassage der Grund dafür war, dass der an Nierenversagen leidende Patient gestorben ist.

Wenn sie im Gesamt-Design von Change-Prozessen angemessen angewendet werden, können diese unterschiedlichen Methoden – je nach Ausgangssituation und gewünschtem Ziel- innerhalb von 2 – 4 Tagen im gesamten System beachtliche Veränderungen hervorbringen. Auch wenn sie mit Bedacht und Kompetenz als kurze Sequenzen in ein offenes Konferenz-Design integriert werden, können sie die gesamte Gemeinschaft tief berühren und erstaunliche Ergebnisse hervorbringen.   Sie helfen, unterschiedlichste Perspektiven nachvollziehbar zu machen, lassen die Menschen näher zusammenrücken, machen die kollektive Intelligenz spürbar, sichtbar und nutzbar und bringen dadurch für die veranstaltende Organisation neue Lösungen an die Oberfläche, mit denen so manche Herausforderung mit Bravour zu meistern ist. Wie anders, als mit der Intelligenz aller oder vieler im System integrierten Menschen können die immer komplexeren Fragestellungen im 21. Jahrhundert gelöst werden?

Wann werden Großgruppen-Verfahren eingesetzt?

Ob das Gemeinschaftsgefühl verstärkt, eine neue Strategie erarbeitet werden, innovative Projektideen oder nächste Schritte in der Realisierung von Unternehmenszielen geplant werden sollen – alles ist mit diesen stark partizipativen Methoden kurzfristig möglich.

Die dargestellten Großgruppen-Methoden unterscheiden sich wesentlich voneinander und werden erst nach einer präzisen Diagnose von Aufgabenstellung und Ziel eingesetzt. Die große Auswahl an Methoden, mit denen wir arbeiten können, ermöglicht es uns, diese ganz gezielt, häufig auch in einem Methoden-Mix, für ein erfolgreiches, nachhaltig wirkendes Ergebnis einzusetzen.

Im folgenden sind nur einige der von Sabine Bredemeyer & Friends eingesetzten Methoden beschrieben. Je nach Aufgabenstellung werden allerdings noch weitere Mehtoden eingesetzt, die hier nicht erwähnt sind.

Einen Überblick über die wichtigsten Methoden im Vergleich finden Sie hier:

Großgruppen-Methoden

Open Space Technology

Erstaunliche Ergebnisse erzielen – zu allen Themen in kurzer Zeit mit der Intelligenz des gesamten Systems – 1000 Menschen und mehr

Open-Space-Veranstaltungen sind stark partizipatorische Großgruppen-Konferenzen, die unter bestimmten Voraussetzungen zu fast jedem Thema eingesetzt werden können. Bis zu 1000+ Menschen können hier z.B. innerhalb von 1- 3 Tagen kreative Ansätze und Lösungen für brennende Themen erarbeiten.

Die Feststellung, dass Menschen, die an einem Thema interessiert sind, eingebunden sind oder sich leidenschaftlich für ein Thema engagieren, sich eigenverantwortlich und freiwillig auf dieses Thema fokussieren, selbst managen und sich während des Prozesses und in der Fortführung mitverantwortlich fühlen, veranlasste Harrison Owen, diese Planungsmethode in den 80ger Jahren zu entwerfen. Sie wird heute mit großem Erfolg in der ganzen Welt eingesetzt von Regierungen, Kommunen, Organisationen und Unternehmen.

Open Space Technology - Mehr zum Thema

Harrison Owen hatte im Laufe seines Lebens zwei wichtige Beobachtungen gemacht, die das Design und den Erfolg dieser Methode bewirkten:

  • Kaffeepausen sind Kreativ-Pools: In den Kaffeepausen von Konferenzen und Seminaren entstehen häufig die besten Ideen und Projekte.
  • Selbstorganisation motivierter Menschen macht komplexe Planungen und Realisierungen möglich: In den 60er Jahren hatte Harrison Owen in einem Dorf in Westafrika miterlebt, wie sich die 500 Einwohner eines Dorfes anlässlich eines Dorffestes ohne Festkommitée spontan und ungeplant auf dem Marktplatz des Dorfes selbst organisierten. Er wurde Zeuge eines viertägigen, gut organisierten, freudvollen Ereignisses und erkannte, dass kollektive Intelligenz Selbstorganisation der Schlüssel zu überragenden Ergebnissen sind.

 

Ablauf und Prinzipien

Wie funktioniert Open Space?

Open Space Veranstaltungen dauern zwischen 1 bis 4 Tagen – je nach Teilnehmerzahl und Komplexität des Themas. Bis zu 1000+ Teilnehmer eines Unternehmens haben in Europa bereits an Open Space-Veranstaltungen teilgenommen.

Open Space Konferenzen nutzen das Model eines „Dorf-Marktplatzes“ um die Veranstaltung zu strukturieren. Die Verantwortlichen für die Veranstaltung formulieren das Thema und laden die möglichen Teilnehmer auf freiwilliger Basis ein. Es nehmen nur die Menschen daran teil, die wirklich an dem Thema interessiert und bereit sind, persönliche Verantwortung zu übernehmen. Keiner wird zur Teilnahme gezwungen. Innerhalb von 45 Minuten wird die Agenda gemacht und dann werden von den Teilnehmern freiwillige Arbeitsgruppen gebildet, die die Themen der Agenda in Arbeitsgruppen von jeweils 60 – 90 Minuten Länge bearbeiten. Die gesamte Veranstaltung inklusive der Dokumentation der Ergebnisse werden von den Teilnehmern selbst gemanaged. Die Prinzipien dieser Veranstaltungen sind einfach, stellen allerdings eine Herausforderung dar an unser Verständnis dafür, wie Veranstaltungen „verlaufen sollten“.

Prinzipien:

Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute.

Es zählt nicht, wie viele oder welche Menschen kommen
(sei es zur Gesamtveranstaltung oder in die einzelnen Workshops).
Es ist vielmehr die Qualität der Interaktionen und der Gespräche und Konversationen, die den Unterschied macht.

Was auch immer passiert ist das Einzige und Richtige, was passieren konnte.

Wirkliches Lernen oder tatsächlicher Fortschritt kann nur stattfinden,
wenn wir unsere bekannten Agendas oder konventionellen Erwartungen
fallen lassen und offen sind für Unerwartetes.

Es beginnt, wenn die Zeit reif ist

Kreativität und Geist sind essentiell und richten sich nicht nach Zeit.
Den Teilnehmern ist es selbst überlassen, wann sie einen Workshop beginnen und wann sie enden.

Wenn es vorüber ist, ist es vorüber.

Wenn die produktive Zeit vorüber ist und die Aufgabe erledigt, sollte abgebrochen werden und man sollte weitergehen. Zeit totschlagen, indem man weitermacht, weil die Zeit noch nicht vorüber ist, veranlasst uns häufig dazu, einfach nur wiederzukäuen bis dorthin, dass alles verwässert wird.

Das „Gesetz der zwei Füße“ oder Mobilitätsgesetz.

Wenn Sie während der Veranstaltung irgendwo, in einer Arbeitsgruppe oder wo auch immer Sie sich befinden, feststellen, dass Sie weder beitragen können noch etwas lernen, benutzen Sie Ihre Füße und suchen Sie einen produktiveren Ort auf. Diese Regel ist das einzige „Muss“ in der gesamten Veranstaltung.

World Café

Geniale Erkenntnisse, Ideen und Lösungen zu allen Themen – entstehend aus der Kreativität der kollektiven Intelligenz, die sich im Raum von Gemeinschaft und Caféhaus Atmosphäre entwickelt

Eine einfache und zugleich wirkungsvolle Methode im Kaffeehaus-Format, um eine Gruppe von 12 – 1000+ Menschen in intensive Gespräche miteinander zu bringen, um Gemeinschaftsgefühl, tiefer liegende Fragen, Einsichten oder neue Antworten zu generieren. Auch in Kombination mit anderen Methoden ein überaus kreativer Prozess, um neue Antworten auf neue Fragen und überraschende Lösungen zu finden.

World Café - Mehr zum Thema

Zu einem gemeinsamen Thema wird mit einer oder einer aufeinander abgestimmte Sequenz von Fragen zu anregenden Gesprächen eingeladen. Die kollektive Intelligenz wird durch viele Tisch-Wechsel der zu unterschiedlichen Fragen stark vernetzt und verknüpft und bringt durch die Vermischung und Angleichung unterschiedlichster Perspektiven neue Sichtweisen und oft verblüffend neue Lösungen zum Vorschein.

Auch wenn eines der „Geheimrezepte“ des World Café darin besteht, durch eine bewusste Ergebnisoffenheit eine lockere Atmosphäre zu schaffen und damit die Kreativität anzuregen und es somit es in der Regel nicht darum geht, Maßnahmen zu erarbeiten, sieht doch jeder Beteiligte neue Handlungsmöglichkeiten für sich und die Organisation, die er vorher nicht gesehen hatte.

Diese oft überaus kreativen und leidenschaftlich entwickelten Ideen können dann entweder in einer anschließend stattfindenden anderen Konferenzart „eingesammelt“ und weiter bearbeitet werden, oder aber man beraumt gleich einen Anschlusstermin an. Findet dieser max. 10 Tage nach dem World Café statt, sind die „guten Ideen“ meist noch gereift und man kann auf hochgradig inspirierte Teilnehmer dieser Folgeveranstaltung und eine reiche „Ausbeute“ an neuen Projekten und Ideen zum Thema rechnen.

2003 „entdeckte“ Sabine Bredemeyer diese Methode in den USA und brachte sie nach Deutschland, wo sie 2004 ihre 150 Beraterkollegen in diese Methode einführte. Jährlich bietet sie 2 World-Café Ausbildungen für Moderatoren und Führungskräfte an mit dem Titel  „Arbeiten mit großen Gruppen am Beispiel World Café

 Hintergrund, Ablauf und Setting

Die Methode World Café fußt auf der zentralen Bedeutung des Gesprächs zwischen Menschen. Durch Gespräche können Menschen lernen, sie können die Realität in vielen unterschiedlichen Facetten erkennen und es werden neue Netze von Verbindungen geknüpft.  Zukunft entsteht immer – in Organisationen oder ganz individuell – aus einem Gewebe von Gesprächen, Erkenntnissen, Ideen und neu erkannten Möglichkeiten.

Das Setting eines World Cafés ist sehr informell. Leitidee ist die entspannte Atmosphäre eines Straßencafés, in dem sich Menschen zwanglos unterhalten. Die Teilnehmer sitzen an kleinen Tischen, an denen jeweils vier bis maximal fünf Menschen Platz finden können. Die zwanglose Atmosphäre und die kleinen Gruppen bewirken, dass die Teilnehmer beginnen, sich für einander zu interessieren und sich wirklich zuzuhören. Sie verteidigen keine Positionen, müssen keine Rollen übernehmen wie „Moderator“ oder „Zetinehmer“ oder „Protokollant“ sondern lassen sich auf ihr Gegenüber ein.  Jeweils 30 – 60 Minuten beschäftigt sich eine Tischgruppe mit dergleichen Frage, um dann nach einem Tischwechsel mit neuen Teilnehmern entweder nochmals tiefer gehend über die gleiche Frage – nun mit den Perspektiven der anderen Tischgruppen, in denen die neuen Tischnachbarn vorher gesessen haben – oder eine neue Frage zum Thema zu untersuchen.

Nach jeweils 2 – 3 Tischwechseln werden die Einsichten, neuen Fragen oder Lösungsansätze im Plenum geteilt und dann geht es mit einer nächsten Frage weiter.

Ideen, Einsichten, neue Fragen oder Antworten werden von einem Grafik Designer in Form von visuellen Protokollen, von den Teilnehmern auf Post it’s oder durch ein Filmteam auf Video festgehalten – aber im World Café selbst nicht weiter bearbeitet.

Bewährt hat sich auch die Kombination von World Café Sequenzen mit anderen Methoden oder im Rahmen von Konferenzen, in denen die Teilnehmer Inhalte von Vorträgen oder Workshops auf diese Weise besser integrieren können

Dauer: 3,5 Stunden bis 2 Tage. Je nach Thema, Aufgabenstellung und Umfang der Gruppe.

Teilnehmerzahl: 12 – 1000+

Voraussetzung für den Erfolg eines World Cafés als Großgruppen-Methode ist die kompetente Analyse der Ausgangssituation, die genaue Definition des Themas, die intelligente Erarbeitung der Fragen und die bewußte Planung des Follow-up. Dies sollte von Beratern durchgeführt werden, die eine fundierte Ausbildung gemacht haben, denn es gibt kaum eine Großgruppen-Methode, in der die Gafahr, dass die Veranstaltung ‚aus dem Ruder läuft’ so groß ist.

Und hier können Sie die Entstehungsgeschichte des World Cafés nachlesen.

 

Ausbildung: „Arbeiten mit großen Gruppen am Beispiel World Café “ wird regelmäßig von Sabine Bredemeyer angeboten. Bitte informieren Sie sich hier (Link zur entsprechenden Absatz unter dem Button „Ausbildungesangebote).

Real Time Strategic Change

Strategischer Wandel in Echtzeit aus der Kraft des Gemeinschaftsgefühls in Zeiten der Dringlichkeit

Strategie-Konferenz: Eine Methode der Großgruppenarbeit, die es ermöglicht, simultan, gleichzeitig mit mehreren hundert Menschen innerhalb einer Organisation am selben Ort einen strategischen Richtungswechsel vorzunehmen und Zukunft gemeinsam zu planen. Entwickelt von Catherine Dannemiller und Robert Jacobs.

Im Gegensatz zu den Instrumenten Zukunftskonferenz und Open-Space bietet sich dieses Instrument an, wenn bereits vorhandene Visionen, Zukunftsszenarien oder Strategien im Unternehmen oder in der Organisation implementiert werden sollen. Auch für Städte geeignet, deren Führungsspitze ihre Mitarbeiter bzw. Bürger (bis zu 1400 Teilnehmer) bei der Planung und Durchführung bereits angedachter Zukunftsszenarien mit einbeziehen wollen.

RTSC Konferenz - Mehr zur Methode

RTSC-Konferenzen werden ganz überwiegend in Gruppengrößen zwischen 40 –600 Teilnehmenden durchgeführt und dauern in der Regel 2-3 Tage. Ähnlich wie im Verfahren Zukunftskonferenz sollen die Teilnehmer möglichst den – an derProblemstellung orientierten – repräsentativen Querschnitt des Systems abbilden.

Abhängig von der Zielstellung und je nachdem, welche Anspruchsgruppen als für die Lösung des Problems relevant definiert werden, werden Teilnehmende zur Veranstaltung geladen.

An so genannten „Max-Mix“-Tischen (also repräsentativ zusammengesetzten Tischen) à sieben bis acht Personen arbeiten Gruppen interaktiv und dialogisch.

Mit den Schritten

  • „Unzufriedenheit mit der Realität“ = „Aufrütteln“,
  • „Identifikation mit der Vision“,
  • „Identifizierung erster Schritte“ sowie
  • „Glaubwürdigkeit erzeugen“,

um

so Energie für Veränderung zu erzeugen, unterscheidet der Ablauf einer RTSC- Veranstaltung vier Hauptphasen.

Phase I: „Aufrütteln“
Damit soll eine gemeinsame Informationsbasis hergestellt werden. Alle Teilnehmenden sollen wesentliche Aspekte der Situation verstehen, in der sich die Organisation befindet. Diese Phase wird organisiert nach den Kriterien der angemessenen Problemvermittlung, der Wissensbasis, der Erzeugung von Betroffenheit: Wie muss die Information erarbeitet oder präsentiert werden, damit sie „unter die Haut geht“ und ein Gefühl von Dringlichkeit erzeugt wird? Hier wird Kritik als Motor des Wandels genutzt.

Phase 2:  Identifikation mit den gemeinsamen Zielen. Die Teilnehmenden sollen mit den Visionen, Werten, Programmen und Projekten aktiviert werden und das gemeinsam bestätigte Ziel mittragen. Das Ziel wird typischerweise vom Management, den Führungskräften oder auch den gewählten Volksvertretern vordefiniert und in der Konferenz zur Gänze oder in Teilen überarbeitet. Zu den sich ergebenden Projekten werden Anregungen und Ergänzungsvorschläge eingeholt und verarbeitet. Durch die Partizipation aller soll Identifikation bei der Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen, Ergänzungen und der Gewichtung von Vorschlägen entstehen.

Phase 3: Verbesserung der Arbeit zwischen den Bereichen und Ebenen. Hier geht es darum, dass Stereotypen abgebaut werden und verschiedene Bereiche, Handlungsfelder oder Beteiligtengruppen mehr Verständnis füreinander entwickeln.

Phase 4: Konsequenzen für weiteres Handeln. Hier werden Konsequenzen für weiteres Handeln abgeleitetoder auch Maßnahmen geplant, die ein Anfang und ein Ende, einen Termin und einen Verantwortlichen haben. Ziel kann aber auch sein, ein Umdenken einzuleiten und Konsequenzen zu definieren. So sollen neue Spielregeln erarbeitet und neue Normsetzungen für die einzelnen Bereiche, Handlungsfelder, Kooperationspartner vorgenommen werden. Gruppen geben sich möglicherweise neue so genannte „10 Gebote“ und verpflichten sich auf persönliche Schritte und konkrete Maßnahmen. Nach dem Freiwilligenprinzip bilden sich Themengruppen.

Maßnahmenvorschläge können nach ihrer Priorität mit Punkten bewertet werden. Die Entscheider können bereits auf der Konferenz „grünes Licht“ für Maßnahmen und Ressourcen geben.

Spätestens kurz nach der Konferenz müssen Entscheidungen über Ressourcenbereitstellung getroffen werden. Auch hier wird deutlich, dass das Verfahren RTSC gegebene hierarchische Strukturen im Veranstaltungsdesign repräsentiert und affirmativ adressiert. Parlamentarische Mechanismen sind in den angenommenen Entscheidungsstrukturen nicht strukturell verankert.

Zukunftskonferenz

Übereinstimmend Zukunftsszenarien planen mit stark kontroversen Gruppen – ein stark harmonisierender Prozess mit bis zu 90 Menschen.

Die besondere Stärke der Zukunftskonferenzen liegt in der Schaffung von Gemeinschaftsgefühl, Aufbruchstimmung und einem hohen Grad an Übereinstimmung und Motivation selbst bei stark heterogenen Gruppen. Ideal zur Erarbeitung von Zukunftsprojekten innerhalb von schwierigen, gegeneinander arbeitenden Gemeinschaften (auch nach Fusionen) oder als Auftaktkonferenz zu neuen Zukunftsplänen.

Dieses Konferenzdesign wurde von Marvin Weisbord und Sandra Janoff 1982 in den U.S.A. entwickelt.

Zumunftskonferenz - Mehr zum Thema

Zukunftskonferenzen (ZKK) arbeiten nach einem klaren Schema und eignen sich für Gruppen von bis zu achtzig Teilnehmern. Mehrere Zukunftskonferenzen, die parallel zum gleichen Thema durchgeführt werden können, ermöglichen jedoch eine weitaus höhere Teilnehmerzahl.

Nach einem klaren, fest definierten Konferenzschema trägt die Zukunftskonferenz dazu bei, dass bis zu 80 unterschiedlichste Menschen eines „Systems“ innerhalb von zweieinhalb Tagen ihre gemeinsame Zukunft „entdecken“ und bereits konkret planen. Sie bekommen in dieser vergleichbar kurzen Zeit ein tiefes Verständnis für ihre gemeinsame Vergangenheit, erkennen ihre gegenwärtige Situation vollständig und entwickeln eine gemeinsame Vision. Ebenso entwickeln sie innerhalb dieser zweieinhalb Tage Aktionspläne für diese einstimmig „beschlossene“ gemeinsame Zukunft.

Was Zukunftskonferenzen besonders wertvoll macht ist die Tatsache, dass jeder, der mit dem System, d.h. mit dem Unternehmen, der Organisation oder der Gemeinschaft intern oder extern zu tun hat, in der Konferenz anwesend ist.

Die Teilnehmer arbeiten auf drei unterschiedliche Arten miteinander:

  1.   als gesamte Gruppe
  2.   in homogenen Interessengruppen à 8 Personen und
  3.   in gemischten Gruppen à 8 Personen

Benefit

  • Ein starkes Gemeinschaftsgefühl auch stark unterschiedlicher Teilnehmer
  • Motivation, Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung des Einzelnen
  • Ungeahnte Zukunftsziele, innovative Durchbrüche, die mit 100%igem Konsens verabschiedet werden
  • Eine klare Zukunftsvorstellung aller von der Zukunft des Unternehmens/ der Organisation, des Themas und damit die Bündelung aller Kräfte in eine Richtung
  • Maßnahmenpläne zur Erreichung der definierten Zukunftsvorstellungen
  • Innovative Durchbrüche, die nur durch die Kooperation unterschiedlichster Menschen und damit weitreichender Potenziale entstehen können
  • Motivierte Arbeitsgruppen, die die Durchführung der Zukunft
  • eigenständig in die Hand nehmen

Ablauf und Spielregeln

Durch zwei Moderatoren erhalten die Teilnehmer Richtlinien und Instruktionen um über 2,5 Tage verteilt an fünf Aufgaben zu arbeiten und ihre Kleingruppen selbst zu organisieren.

Zukunftskonferenzen arbeiten nach sechs Hauptprinzipien:

  1. Das ganze, offene System in einem Raum. Das heißt zum Beispiel, ein Unternehmen lädt Kunden, Lieferanten, Kooperationspartner und vielleicht auch Mitbewerber ein, um jeden relevanten Blickwinkel bei der Zukunftsplanung zu berücksichtigen.
  2. Fokus auf die Zukunft statt auf Probleme. Vergangene und gegenwärtige Probleme werden zwar angesehen und gewürdigt, nicht jedoch bewertet oder gar bearbeitet.
  3. Gemeinsamkeiten finden statt Konflikte bearbeiten. Man sucht von Anfang an die Gemeinsamkeiten, den größten gemeinsamen Nenner der Wunschvorstellungen aller Teilnehmer der Konferenz, um eine Zukunft zu planen, die dann alle ausnahmslos befürworten können.
  4. Das ganze, offene System untersuchen. Alle Aspekte im Zusammenhang mit dem Thema werden untersucht. Jeder Blickwinkel und alle Aspekte werden in Betracht gezogen: „Wir“, die Organisation selbst (das Unternehmen/die Stadt), das Umfeld und die Welt, d.h. auch alle Aspekte, die von außen auf das „System“ einwirken.
  5. Es wird in selbststeuernden Kleingruppen gearbeitet. Meist sind es Achter-Tische, die ihre Diskussionen selbstständig managen, sich selbst organisieren und ihre Ergebnisse präsentieren. Die Projekt- oder Aktionsgruppen am Schluss der Zukunftskonferenz haben unterschiedliche Teilnehmerzahlen.
  6. Maßnahmen erst dann planen, wenn Konsens über die gewünschte Zukunft erreicht ist. So kommt es erst am dritten Tag zur Maßnahmenplanung. Da jedoch Konsens über die gemeinsame Zukunft besteht, ein starkes Gemeinschaftsgefühl und das Wissen eines jeden Einzelnen, dass alle im Raum in einem Boot sitzen und man im Grunde das Gleiche will, geht die Maßnahmenplanung dann so schnell, wie es niemand für möglich gehalten hätte. In manchmal weniger als zwei Stunden entstehen Maßnahmen und Aktionspläne, die vorher einberufene Aktionsteams in Jahren nicht zustande gebracht haben.

Appreciative Inquiry

Veränderungsprozesse mit großen Gruppen:  Gemeinschaftlich, positiv und mit Leichtigkeit bewältigen

Appreciative Inquiry (AI) ist ein Entwicklungsansatz, der lebensbejahende, die Lebensenergie fördernde Veränderungsprozesse möglich macht.

AI baut auf das Positive, was schon vorhanden ist, identifiziert es, läßt es sich entfalten. Denn heute ist jedem bewusst, dass Lernen und Wachsen durch positive Bestärkung kraftvoller und effektiver ist als Lernen und Wachsen durch die Korrektur von Fehlern.

Der erstunliche Nebeneffekt: Wenn das Positive wächst, ist für das, was behindert oder kontraproduktiv wirkt, keinen Platz mehr. Und das führt dazu, dass alle Beteiligten oft mit großer Begeisterung dabei bleiben und sich auch in umfangreichen Veränderungsprozessen nicht zurückziehen oder in den Widerstand gehen.

Appreciative Inquiry - Mehr zum Thema

Vorgehensweise

Der AI-Prozess beginnt mit den sogenannten AI-Interviews, in die leicht alle Mitarbeiter eines Unternehmens einbezogen werden können. Darin wird zunächst einmal nach den Momenten der Freude und Exzellenz gefragt.

Zahllose positive Geschichten über außergewöhnliche persönliche Erlebnisse und herausragende Aspekte der Organisation kommen so an die Oberfläche. Es wird hinterfragt, welche Stärken das System bereits hat und wo die Qualitäten liegen. Qualitäten, die immerhin einmal zu einem gewissen Erfolg geführt haben.

Sind diese einmal entdeckt – wobei die Schwächen durchaus nicht ignoriert werden – wird daran gearbeitet, die entdeckten Stärken und Qualitäten zu vergrößern. Gleichsam als Nebenerscheinung werden auf diese Weise ohne große Mühen Fehler und Schwächen behoben und Lücken geschlossen. Ein Bild, das dies sichtbar macht ist der Gärtner, der nicht ständig Unkraut rupft, um den Garten frei von Unkraut zu halten, sondern anstatt dessen mehr Blumen pflanzt. So dass das Unkraut keinen Platz mehr hat.

AI zielt konsequent darauf ab, bewusst zu machen, was vorbildlich und inspirierend ist, und nach diesem Vorbild zu arbeiten.

Appreciative Inquiry wurde in den 80er Jahren von David Cooperrider und Suresh Srivastva entwickelt. Die Zeitschrift OD Journal schreibt in ihrem Editorial, dass es keine andere methodische Innovation in den letzten zehn Jahren die Disziplin der Organisationsentwicklung mehr geprägt hat, als AI. Diese Methode ist ein völlig neuer Ansatz, der die klassische Herangehensweise an Unternehmensentwicklung in Frage stellt, bei der deprimierte Mitarbeiter hinterlassen wurden, die sich aufgrund der entdeckten „Sünden“ schuldig fühlten und keine rechte Motivation aufbringen konnten, die Vergangenheit zu bearbeiten um eine „verbesserte“ Zukunft zu haben. Zurück blieben aber auch entsetzte Vorgesetzte, die nicht fassen konnten, wie so etwas passieren konnte und sich fragen, wie das alles wieder in Ordnung zu bringen ist.

Von der klassischen Problemlösung zur Appreciative Inquiry

Früher

Früher

  • Problemlösung
  • Identifizieren des Problems
    aus einer „Notwendigkeit“ heraus
  • Analyse der Gründe
  • Analyse der möglichen Lösungen
  • Planung der Maßnahmen
    aus den Problemanalysen heraus

Zugrunde liegende Annahme:

Unternehmen haben Probleme,
die es zu lösen gilt

Heute

  • Appreciative Inquiry
    (Wertschätzende Untersuchung)
  • Anerkennen des Besten,
    „was schon da ist“
  • Visionieren, „was sein könnte“
  • Gemeinsames Erarbeiten dessen,
    „was sein kann“,
    Zusammenstellen dessen,
    was gewünscht und möglich ist.
  • Innovationen erarbeiten,
    „was sein wird“
    aus der Vision,
    der besten möglichen Zukunft.

Zugrunde liegende Annahme:

Unternehmen haben schon ein
ungeahntes Potenzial,
das sich weiter entfalten kann

Appreciative Inquiry ist eine Methode, in der Diagnose und Veränderung als ein einheitlicher Vorgang gesehen werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Einzelne und auch ganze Systeme sich in die Richtung entwickeln, die hinterfragt wird. Es gibt für menschliche Entwicklung wohl nichts Stärkeres als Fragen, die zu neuen Möglichkeiten führen und uns mit unseren Potenzialen in Verbindung bringen. Bereits mit den ersten AI-Interviews beginnt ein System sich zu verändern. AI ist eine Methode, die großflächigen Wandel mit Herz und Verstand behutsam und einfühlsam jedoch schnell und effektiv bewirkt und nachhaltig implementiert.

Vorgehensweise und Ausprägungen

Wie funktioniert Appreciative Inquiry?

AI-Fragen, also solche, die die Stärken einer Organisation deutlich und erkennbar machen, können in den meisten der Großgruppen-Ansätze eingebracht werden. Ob als vorbereitende Maßnahme vor einer Großgruppenintervention oder im Rahmen einer Open Space Konferenz, einer RTSC-Konferenz oder anderen Großgruppenverfahren – in jedem Fall wirken die AI-Interviews sich ermutigend und motivierend auf das gesamte System aus. Erkennen die Beteiligten, welche positiven Ansätze bereits vorhanden sind, wächst ihr Selbstbewusstsein und die Aufgabe des Veränderungsprozesses erscheint nicht unüberwindbar, denn immerhin ist bereits einiges vorhanden, was den Prozess begleiten und fördern kann.

Der AI-Summit – Ein Zukunfts-Gipfel

Bei der Gestaltung von AI-Summits haben David Cooperrider und Diana Whitney von anderen Großgruppen-Methoden, insbesondere von Marvin Weisbords Zukunftskonferenz gelernt. Einige grundlegende Ideen (z. B. das ganze System in einen Raum bringen) und Erfolgsvoraussetzungen (z. B. die Notwendigkeit einer klaren Aufgabe) sind die gleichen. Zahlenmäßig sind AI-Summits nicht beschränkt. Sie können mit 50 oder mit 2.500 Teilnehmern durchgeführt werden. Zeitlich dauern sie mindestens zwei Tage (verteilt auf drei Tage), können aber auch vier Tage erfordern. In der Regel wird während des Summits ein Ergebnis zusammen erarbeitet: Die Vision einer neuen Kultur, strategische Ziele oder etwas anderes. Denkbar ist aber auch, dass ein vom Management vorab erarbeiteter Soll-Zustand gemeinsam überarbeitet wird.

Der Ablauf eines AI-Summits orientiert sich an den vier „D‘s“. Das Design des Gipfels wird immer an die Gegebenheiten der jeweiligen Organisation angepasst.

Phase 1: Discovery (Erkunden, Verstehen)

AI-Summits beginnen (nach der Einführung) mit dem Wertschätzenden Interview. Paare finden sich rasch, und binnen Minuten beobachten wir, wie dutzende oder hunderte von Teilnehmern in intensive Gespräche vertieft sind. Die Energie ist sofort hoch. Alle sind wach und aufmerksam. Ganz offensichtlich macht es den Teilnehmern Spaß, dieses Interview zu führen. Und das sagen sie auch in einem unmittelbar darauffolgenden Blitzlicht.

In den Interviews werden schon spätere Phasen des Summits vorweggenommen. Die Kernthemen , die im weiteren Konferenzverlauf im Mittelpunkt stehen, werden im Interview bereits behandelt. Dann wird in ihnen auch nach Wünschen für die Zukunft und nach ersten Ideen für Maßnahmen gefragt. So kommen auch diejenigen schon am Anfang „zu ihrem Recht“, die am liebsten gleich mit der Maßnahmenplanung begonnen hätten.

Nach den Interviews kommen 8er-Gruppen zusammen, und jeder stellt seinen Interviewpartner anhand seiner besten Geschichten und Zitate vor. Oft werden besonders gute Geschichten im Plenum erzählt. Das kann je nach Veranlagung der Teilnehmerschaft zu einem wahren Feuerwerk der guten Stimmung werden.

In der Folge werden zu den Kernthemen die identifizierten Stärken und Potenziale der Organisation allen bewusst gemacht. Dies geschieht oft auf meterlangen Wänden, die sowohl verbal wie kreativ gestaltet sein können. Schon in dieser Phase der Konferenz sammeln die Teilnehmer konkret umsetzbare Ideen. Die Trends, die für die Zukunft die meisten Chancen bieten, könnten identifiziert und analysiert werden. Und mittels Zeitlinien, kann herausgearbeitet werden, was das Beste an der Vergangenheit dieser Organisation ist, das es wert ist mit in die Zukunft genommen zu werden.

Phase 2: Dream (Visionieren)

Diese Phase ist vergleichbar mit der Phase des Visionierens in der Zukunftskonferenz. Die Teilnehmer kreieren phantasiereich und kreativ die beste aller möglichen, gewünschten Zukünfte für ihre Organisation. Ein kleiner Unterschied besteht darin, dass beim Visionieren die vorab festgelegten Kernthemen besonders berücksichtigt werden. Die Visionen werden durch die Bilder vom Besten was ist (Discovery-Phase) bereichert und bauen auf diesen auf. Das trägt dazu bei, dass sie für alle Beteiligten in den Bereich des Möglichen rücken.

Phase 3: Design (Gestalten)

Auch hier gibt es Parallelen zum Vorgehen der Zukunftskonferenz, denn zunächst werden die Inhalte der kreativen Präsentationen wieder in Worte gefasst (hier nur Stichworte) und gesammelt. Dann wird anders als in der Zukunftskonferenz nicht im Plenum ein Konsens oder Dissens zu jedem Stichwort herausgearbeitet.

Das wäre auch nicht möglich, wenn man mit mehr als 80 Teilnehmern arbeitet. David Cooperrider und Diana Whitney meinen, dass der Konsens am besten sowieso ex post festgestellt werden kann. Das heißt, wenn später tatsächlich umgesetzt wird, ist Konsens da gewesen, sonst nicht. Aus ihrer Sicht braucht es daher keinen common ground (einmütigen Konsens) wie er in der Zukunftskonferenz erarbeitet wird, sondern nur einen higher ground. Im AI-Summit werden daher die sortierten Stichwort-Cluster einfach nur priorisiert. Jeder kann an der Vision mitgestalten, die er unterstützt.

Im Anschluss werden in Gruppen zu den wichtigsten Clustern sogenannte possibility statements („Zukunftsaussagen“) herausgearbeitet. Für eine Großgruppe wird ungewohnt viel Zeit in die Formulierung ganzer Sätze oder Absätze investiert. Es entstehen dann aber auch wirklich aussagekräftige Formulierungen, die einen hohen Anspruch für die Zukunft der Organisation transportieren.

Phase 4: Destiny (Umsetzen, Erneuern)

In der Destiny-Phase werden Maßnahmen geplant. Aktionsgruppen bilden sich oft im Open Space-Modus. Das ist nichts Neues, wir kennen es von anderen Großgruppen-Designs. Eine Besonderheit von AI in dieser Phase besteht jedoch darin, dass die Summit-Teilnehmer in der Regel auch reflektieren, wie sie den wertschätzenden Ansatz, den sie in den letzten Tagen erlebt haben, in ihren Alltag integrieren können. Sie überlegen in Heimatgruppen, wie sie künftig das Positive stärker als das Negative herausstellen und kommunizieren, wie sie sich gegenseitig wertschätzen und wie sie Beispiele für best practices bekannt machen können. Dies alles vor dem Hintergrund, welche Energien uns denn nähren auf unserem Weg in die Zukunft. So wird ein Stück gefördert, dass die Grundideen von AI in den Alltag der Organisation übergehen und eine Wertschätzende Organisation (siehe unten) entsteht.

Das Besondere an dieser Destiny Phase ist, dass wir es immer wieder erleben, wie hier eine viel Energie für die Verwirklichung der Visionen entsteht. Diese ist oft noch stärker als in der Visionsphase.

Community Building

Pseudo-Gemeinschaften mit all ihren Begrenzungen überwinden und verwandeln in echte Gemeinschaften mit all ihrer gebündelten Kraft und Leistungsbereitschaft

Community Building ist ein von Scott Peck entwickelter Prozess, der im Bereich der Teamentwicklung für eine ganz neue Qualität steht. In diesem Prozess durchlaufen die Teilnehmer gleichsam eine Metamorphose, um am Ende eine völlig neue, tiefgreifende Qualität von Gemeinschaft zu erleben.

Community Building - Mehr zum Thema

Wie funktioniert Community Building

Im Laufe von zwei bis drei Tagen geht eine Gruppe, deren Größe bis zu 80 Teilnehmern reichen kann, zusammen einen Weg, der für alle Beteiligten sehr bewegend ist. Gefühle wie tief empfundene Freude, ehrliches Mitgefühl, Frieden, Gelassenheit und Geborgenheit erfüllen den Raum, wenn die letzte Phase durchlaufen wurde. Die Gruppe ist voller Energie, voller Lebendigkeit, voller „Spirit“. Wenn sie eine Aufgabe hat und Entscheidungen treffen muss, wird sie diese Arbeit jetzt in tiefem gegenseitigen Vertrauen, in hoher Qualität und beispielhafter Effektivität erledigen.

Aber auch bei diesem Prozess gibt es keine Heilung ohne Schmerz, keine Erlösung ohne Opfer. Die Teilnehmer haben einen langen, manchmal durchaus beschwerlichen Weg zu gehen, bis sie endlich, am letzten Tag, in der echten Gemeinschaft ankommen.

Emotionen wie Verwirrung, Wut, Leugnung, Trauer, Angst und Schuld können auftauchen, bevor Mitgefühl, Vertrauen und Geborgenheit sich ausbreiten können. So tiefgreifend dieser Prozess ist, so wirkungsvoll und nachhaltig beeinflusst er jeden einzelnen Teilnehmer und die gesamte Gruppe.

Ablauf – Die Entstehung von Gemeinschaft in vier Phasen

1. Pseudogemeinschaft

Eine Gruppe sitzt in einem runden Kreis und erhält von dem Prozessbegleiterpaar nur wenige Leitlinien. Eine Parabel wird erzählt, die wesentliche Elemente des bevorstehenden Prozesses in sich trägt. Nach einem kurzen Schweigen beginnt die Gruppe zu reden. In der nun einsetzenden Phase der Pseudogemeinschaft tun die Beteiligten so, als seien sie bereits eine Gemeinschaft. Sie tun so, als gäbe es keine Differenzen, und vermeiden jegliche Konflikte. Sie sind höflich, zu höflich sogar. Denn alle halten sich an die ungeschriebenen Regeln, die freundliche und umgängliche Menschen auszeichnen: Sage nichts, das jemanden anderen irritieren oder bei ihm/ihr schmerzliche Gefühle hervorrufen könnte. Lass Dir nichts anmerken wenn’s brenzlig wird und wechsle schnell das Thema. Mache Dich nicht verletzlich und zeige keine Schwächen. Vermeide Konflikt. Und es ist die Art von Maskerade, Unauthentizität und „Höflichkeit“, die wir fast überall erleben. Pseudogemeinschaft ist die Norm in unserer Gesellschaft.

2. Chaos

Schließlich werden die Differenzen dann an irgendeinem Punkt so offenkundig und tiefgehend, dass sie nicht mehr kaschiert werden können. Jetzt geht die Gruppe in den nächsten Aggregatzustand über, ins Chaos. Vielleicht gibt auch der Moderator den Anstoß dazu. Er teilt der Gruppe dann beispielsweise mit, dass sie sich in Generalisierungen ergeht und diese der Entwicklung von Gemeinschaft nicht förderlich sind. Die Zeit der Höflichkeit ist vorbei und die Dinge stoßen sich hart im Raum.

Differenzen werden jetzt nicht mehr versteckt, man versucht vielmehr, sie auszulöschen. Einer versucht den anderen zu bekehren. Das Heil wird darin gesehen, dass alle gleich denken und dass alle „normal“ sind. Jeder will seine Sicht durchsetzen. Ein weiteres typisches Bestreben im Zustand des Chaos, besteht darin, andere „heilen“ zu wollen. Differenzen dürfen nicht sein, schmerzliche Gefühle auch nicht. Sie werden mit guten Ratschlägen oder tröstenden Worten gleich zugedeckt.

Chaos ist unangenehm und unbefriedigend, ein unproduktiver Kampf und Krampf. Chaos ist oft selbst dann zählebig und dauert viele Stunden, wenn der Gruppe völlig klar ist, dass sie sich mitten drin befindet. Was liegt da näher, als die ProzessbegleiterInnen anzugreifen, ihnen miserable Anleitung vorzuwerfen und stattdessen die Leitung selbst an sich zu reißen.

An dieser Stelle, wo eine Gruppe zur Gemeinschaft finden will, dient sie nur der Schmerzvermeidung. Gemeinschaft entsteht, indem wir dafür Raum geben und sie wachsen lassen, nicht indem wir sie organisieren.

3. Leer werden

Dieses Raum-Geben für Gemeinschaft beginnt, wenn erstmals Zeichen der dritten Phase aufleuchten: das Leer-werden. Die Gruppe bewegt sich in den oft langen und mühevollen Prozess hinein, sich leer zu machen , sich zu befreien von allen Barrieren zu authentischer Kommunikation. Kaum eine Gruppe fliegt auf diesen Tipp des Moderators. Denn die Beteiligten ahnen schon, worum es geht: zu sterben, um wieder geboren zu werden. Und sie ahnen, dass sie viel Liebgewonnenes aufgeben müssen und dass das schmerzlich ist. Dann doch lieber im Chaos bleiben oder in die Pseudogemeinschaft zurückfallen.

Es ist auch allzu viel, von dem man sich lösen muss. Zum Beispiel von Vorurteilen, die man gegenüber anderen Teilnehmern der Gruppe schon lange pflegte oder im Workshop aufgebaut hat. Leer werden bedeutetet hier auch, zur Stille zu finden – zu einer oft lange anhaltenden Stille. Loslassen müssen die Beteiligten dann den Wunsch, ihre individuellen Ideologien, Weltsichten und Lieblings-Lösungen anderen überzustülpen. Und schließlich müssen sie sich aller Erwartungen entledigen, wie der angestrebte Zustand der Gemeinschaft denn auszusehen hat. Jeder, nahezu ohne Ausnahme, der einen Prozess zum Aufbau von Gemeinschaft beginnt, hat eine fixe Idee davon, was Gemeinschaft ist. Doch wahre Gemeinschaft wird sich nicht einstellen, solange man an seinem eigenen Begriff davon festhält.

Im Verlauf des Leer-werdens und des damit einhergehenden besseren Zuhörens finden die ersten den Mut, ein sehr persönliches Gefühl anzusprechen – ein Gefühl, dessen sie sich entleeren müssen, um in der Gruppe völlig präsent und für die Gemeinschaft offen sein zu können. Typischerweise treten jetzt verdrängte Enttäuschungen und Verletzungen zutage. Gemeinschaft braucht Authentizität und damit den Mut, schmerzliche Gefühle zu äußern und sich verletzlich zu machen. Wenn die ersten Mitglieder der Gruppe diesen Mut finden, reagieren die anderen oft ausweichend, wollen wieder „heilen“ und fallen möglicherweise zurück ins Chaos. Schließlich stirbt die Gruppe dann doch den „großen Tod“ und wird neu geboren in den Zustand der Gemeinschaft. Ein dramatischer Wandel setzt nun ein.

4. Gemeinschaft

Dieser Wandel kommt immer autonom; er ist weder planbar noch genau vorhersehbar. Manchmal tritt er bereits nach wenigen Stunden ein, manchmal am Ende des zweiten Tages. Plötzlich scheint sich eine Kraft Bahn zu brechen, die vorher nicht vorhanden war. Was nun passiert, hat Scott Peck unübertrefflich beschrieben: „In diesem letzten Stadium breitet sich eine sanfte Stille aus. Es ist eine Art Frieden. Der Raum badet in Frieden. Dann beginnt ein Mitglied, ganz ruhig, über sich zu sprechen. Sie ist sehr verletzlich. Sie spricht aus dem tiefsten Teil ihrer selbst. Die Gruppe ist gefesselt von jedem Wort. Niemand hatte realisiert, dass sie zu solcher Eloquenz fähig ist. Nachdem sie geendet hat, beginnt eine Stille. Sie hält lange an, obwohl es nicht so scheint. Sie wirkt nicht unbehaglich. Langsam, aus der Stille heraus, beginnt ein weiteres Mitglied zu sprechen. Er spricht ebenfalls sehr tief, sehr persönlich über sich selbst. Er versucht nicht, seine Vorrednerin zu „heilen“ oder zu „bekehren“. Er versucht nicht einmal, ihr zu antworten. Nicht „sie“, sondern „er“ ist das Thema. Doch die anderen Mitglieder der Gruppe haben nicht das Gefühl, dass er sie ignorierte. Was sie vielmehr empfinden ist, dass er sich neben sie auf den Altar gelegt hat.

Die Stille kehrt zurück. Und während es so weitergeht, das mehr und mehr Teilnehmer ganz ruhig und ehrlich von sich selbst sprechen, wird viel Traurigkeit und Kummer zum Ausdruck gebracht; zugleich wird aber auch viel gelacht und viel Freude empfunden.“

Ausblick und Einfluss von Community Building auf unsere Gesellschaft

Es wird ein langer Weg sein, Gemeinschaft in unsere Gesellschaft hineinzutragen und dahinzugelangen, dass viele Menschen mit dem Wort „Gemeinschaft“ überhaupt eine Erfahrung verbinden können. Es wird ein noch viel längerer Weg sein, Gemeinschaft zur Grundlage einer neuen Kultur auf der Erde zu machen. Vermutlich werden auch bei uns Firmen zu den ersten gehören, die sich auf diesen Weg begeben. Denn sie haben zwar einen Lernprozess vor sich, aber auch ungemein viel zu gewinnen. Community Building ist ein möglicher Weg zur Gemeinschaft, der zudem ungemein einfach (nicht leicht) ist. Wir brauchen dazu keine extremen Notlagen wie Kriege oder Naturkatastrophen, welche die Menschen in schmerzvoller Weise und unter extremen Bedingungen Gemeinschaft erfahren lassen. Community Building: Ablauf & Spielregeln.

Fragen beantworte ich Ihnen gern

Großgruppen-Verfahren sind kraftvolle, in ihrer Wirkung in jeder Beziehung weit reichende Interventionen, die die Zukunft von Gemeinschaften von Menschen – in der Wirtschaft und in der Gesellschaft – tief greifend verändern können.

Sie wurden erfunden, um zu den zunehmend komplexeren, unterschiedlichsten Themen und Situationen des 21. Jahrhunderts vergleichsweise schnellen, gesunden, von allen getragenen Wandel mit nachhaltiger Wirkung zu erzeugen.

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